Mächtig Bock auf Suhler Streetart


Fotos: Jugendhilfeverein

AEROSUHL, das unkonventionelle Jugendprojekt, fand zum vierten Mal statt. Im Stadtzentrum gab es vielerlei Aktionen.
Von Ruth Schafft
Quelle: http://www.insuedthueringen.de (Lokal Suhl/Zella-Mehlis vom 08.07.2013)

Suhl – Überall Farbdosen, Graffiti leuchten auf Leinwänden, Holzspäne fliegen durch die Luft, Musik schallt übern Mühlplatz, der Grill qualmt, Kartoffelsalat wird serviert, jemand schwenkt die Kamera übers Geschehen, in Fußgängertunnel sind Sprayer am Werk und auf dem Platz Jongleure, Gespräche, Lachen, Rumalbern – es ist wieder Streetart-Time in Suhl.

Die offene Kunstaktion mit dem treffenden Namen „AEROSUHL“ erlebte am Wochenende ihre vierte Auflage. Was vor vier Jahren klein und bescheiden anfing, nämlich mit einer Wandgestaltung an der Musikschule, hat sich zu einem dreitägigen Event ausgeweitet, das sich bei jungen Leuten längst herumgesprochen hat. Und zwar bundesweit.

1000 Spraydosen

An die 25 Sprayer – ob aus Hannover, Coburg, Saalfeld, Nordhausen, Erfurt oder natürlich aus Suhl – griffen zu den Farbdosen und setzten künstlerische Ideen in den beiden Fußgängertunnel Am Viadukt und in der Werner-Seelenbinder-Straße auf ihre Weise um. Allein das Thema der vier Elemente „Feuer, Wasser, Erde und Luft“ war ihnen vorgegeben. Wie sie es anpackten, das allein lag in ihrem Ermessen und ihrer Verantwortung. Für Tobias aus Weimar, der seit Anfang an zu den Akteuren gehört und nun das Farbmanagement (zum Einsatz kommen an die 1000 Spraydosen) übernommen hat, ist die Aktion „echt der Hammer. In dieser Form habe ich das noch nicht erlebt“, so der junge Mann. Die Farbdosen gibt es kostenlos, Essen und Trinken auch, „alles ist hier selbstverständlich. Und dass in dem kleinen Suhl, von dem man’s eigentlich nicht erwartet, so viele Leute Bock drauf haben“, das findet er besonders bemerkenswert. Bock drauf haben – was der junge Mann so lässig ausspricht, meint auch die breite Unterstützung für die städtische Aktion, die von CCS-Galerie und Jugendhilfeverein Fähre geschultert wird. Während sich Galeristin Annette Wiedemann, Spiritus Rector dieses Projektes, ums Künstlerische und Organisatorische kümmert, liegt das Finanzielle in Verantwortung des Jugendhilfevereins, dessen Mitglieder natürlich auch mit zupacken. Ohne die vielen Partner, Sponsoren und Unterstützer aus Wirtschaft und Politik und ohne die „Superzusammenarbeit“ mit den verschiedenen Ämtern der Stadt wäre eine solche Aktion nicht möglich, machen Annette Wiedemann und Vereinschefin Kristin Kurth immer wieder deutlich.

Wachsende Helferschar

Mit einem Finanzvolumen von etwa 12 000 Euro ist AEROSUHL aus finanzieller Sicht ja auch kein Pappenstiel. Geldspenden gab es vielerlei, vom lokalen Bündnis für Demokratie und Toleranz, gegen Rechtsextremismus, von Lotto Thüringen, von lokalen, Landes- und Bundespolitikern, von der Rhön-Rennsteig-Sparkasse. Den 2000 Euro Scheck überreichte die Suhler Filialleiterin Kerstin Weisheit am Samstag mit anerkennenden Worten für das Projekt: „Hier können sich Jugendliche frei ausprobieren und ihre Fähigkeiten testen, dafür ist das Geld gut angelegt. Und außerdem profitiert die ganze Stadt davon.“

Neben Schecks gab es viele Sachspenden und am Wochenende so manch spontane Gabe von Stadträtinnen und Stadträten, die die Akteure mit Kuchen, frischen Erdbeeren oder Eis überraschten. Überhaupt ist es bemerkenswert, wie das unkonventionelle Projekt nicht nur an Größe und Akzeptanz gewachsen ist, sondern wie von Jahr zu Jahr neue Facetten hinzugefügt werden, ohne dass dieses „von oben“ organisiert wird. Da wären die beiden Suhler Frauen Jana Reigl und Andrea Trebeß, die mit dem Verkaufserlös ihres Kleiderbasars (30 Frauen spendeten 150 modische Teile) das Projekt unterstützen, „weil wir es gut finden, was junge Leute hier machen“. Oder Edeltraut Wiesner, die mit ihrer Häckelarbeit für einen Farbtupfer auf dem Platz sorgte und wissen ließ, dass sie und ihr Mann demnächst die Sprayer zur Verschönerung ihrer privaten Grundstücksmauer engagieren wollen. Oder die AG „Tauschring“, die es seit einem halben Jahr in Suhl gibt und, wie Mario Henkel und Sarina Riethmüller ausführten, dafür wirbt, dass man sich durch gegenseitige Hilfen „Zeit schenkt“ und so das soziale Leben bereichert.

Oder die polnischen Jugendlichen aus Suhls Partnerstadt Leszno. Mit ihren Jonglagen und der abendlichen Feuershow waren sie ein weiterer Gewinn für die Suhler Streetart. Wie auch der Filmworkshop, den die Berliner Filmemacherin Bettina Hohost leitete und als dessen Ergebnis ein 5- bis 12-minütiger Beitrag über das Projekt entstehen soll. Vor allem die jungen Polen interessierten sich fürs Filmemachen, wie auch fürs Holzgestalten. Denn auch Harald Scherer, Holzbildhauer aus Würzburg, war wieder mit von der Partie und „von der lockeren Atmosphäre angetan“. Leider vermisse er unter den Akteuren seine Generation, also die Eltern der Jugendlichen, die sich auf dem Platz ausprobieren.

Motiv: Transformer

Etwas abseits des AEROSUHL-Trubels ist Kai Siegel am Werk. Der Weimarer gestaltet in seiner professionellen Art die Giebelwand eines Gewo-Hauses in der König-Straße mit einem besonderen Kunstwerk, mit einem Transformer im Mittelpunkt. Das Motiv als Ausdruck für Umwandlung. „In einem solchen Prozess befindet sich ja auch Suhl derzeit“, nennt er eine der Ideen, die dahinter steckt. In dieser Woche wird Kai Siegel seine Arbeit beenden, man darf gespannt sein…

Am Donnerstag, 11. Juli, 19 Uhr, in der CCS-Galerie: Ausstellungseröffnung mit Arbeiten der Streetartaktion und Dokumentationen.

Weitere Pressestimmen:
Deutschland today vom 10.06.2013
Freies Wort vom 29.06.2013
Freies Wort vom 13.07.2013
Freies Wort vom 20.07.2013
Freies Wort vom 22.07.2013

Filmbeitrag (7:00 min):
Rennsteig TV

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